upekkha - die praxis des gleichmuts

Upekkha: Die Praxis des Gleichmuts

von Visu Teoh

(übersetzt von barbara)

 

Gleichmut ist einer der wichtigsten, einflußreichsten, bedeutendsten und hilfreichsten Geistesfaktoren in unserer Praxis und in unserem Leben. Er dient als Strategie par excellence, die uns hilft, gelassen, unerschüttert und standhaft zu bleiben, während wir durch das Auf und Ab des Lebens navigieren.

 

Es wundert uns daher nicht, dass der Buddha dem Gleichmut einen hervorstehenden Platz in seinen Lehren eingeräumt hat, indem er ihn als einen der vier göttlichen/erhabenen Verweilungszustände oder wunderbaren geistigen Qualitäten festgelegt hat, die ausgeprägt von uns entwickelt werden sollten.

 

Die Vier Göttlichen oder Erhabenen Verweilungszustände – Liebende Güte (Metta), Mitgefühl (Karuna), Wertschätzende Freude (Mudita) und Gleichmut (Upekkha) – haben jeweils eine wichtige Rolle zu spielen, unseren Geist gut ausgeglichen, gesund und rege zu bewahren.

 

In diesem Essay werden wir die Rolle untersuchen, die der Gleichmut beim Bewahren unseres geistigen Wohlbefindens und Glücklichseins einnimmt.

 

Zuerst zu seiner Definition: Gleichmut ist die Qualität, ruhig zu bleiben, sogar gestählt und gefasst, selbst inmitten von Stress, Spannung und Provokation.

 

Synonyme für Gleichmut sind: geistiges Gleichgewicht, innere Ausgeglichenheit, geistige Ausgewogenheit, Festigkeit des Geistes, Versammlung des Geistes, Selbstbeherrschung, Souveränität, Abgeklärtheit, Unerschütterlichkeit, Gemütsruhe, Friedlichkeit, Seelenfrieden, Gefasstheit und Ruhe.

 

Stellen wir uns vor, wie schön es sein würde, wenn wir stets ruhig und gelassen, unaufgeregt und ungestört von all dem Auf und Ab im Leben sein könnten! Wir wissen, dass das Leben eben so ist, "C'est la Vie" und "Auch das wird vorübergehen," und wir behalten unsere innere Ruhe und unseren Seelenfrieden.

 

Die geistige Eigenschaft, die wir entwickeln müssen, um einen unterschütterlichen Geist zu gewinnen, ist Gleichmut. Der Buddha, der selbst einen Geist besaß, der nicht durch die Unbeständigkeiten des Lebens erschüttert werden kann, betonte, dass Absicht und Entschlossenheit wichtige unterstützende Faktoren sind in der Entwicklung jeglicher heilsamer geistiger Qualitäten.

 

Zuerst müssen wir den großartigen und unerlässlichen Wert des Gleichmutes wertschätzen und in uns eine starke Absicht hervorrufen, ihn zu kultivieren. Unser Geist richtet sich zielstrebig auf den Gleichmut: Wir sind fest entschlossen, diese wichtige geistige Qualität zu kultivieren, zu verbessern und zu stärken.

 

Wenn der Vorsatz einmal gefasst ist, unternehmen wir eine bewusste Bemühung, den ganzen Tag über einen ruhigen und friedvollen Gemütszustand zu bewahren. Dies kann erreicht werden, indem wir, während wir unseren täglichen Aktivitäten nachgehen, uns immer wieder ins Bewusstsein rufen: "ruhig, gelassen, friedvoll, easy, entspannt".

 

Dies ist unser Gleichmuts-"Mantra" – "ruhig, gelassen, friedvoll, easy, entspannt". Es erinnert uns daran, wie wir sein möchten, wie wir unser Leben führen wollen – ruhig und friedvoll und nicht auf eine aufgeregte oder sorgenvolle Art und Weise.

 

Dementsprechend ist es jedes mal, wenn wir uns aufregen oder aufgewühlt sind, an der Zeit, dass wir Gleichmut kultivieren sollten. Zunächst sind wir uns der Tatsache bewusst, dass der Geist verstört ist, dass wir unser geistiges Gleichgewicht und unsere Fassung verloren haben. Wir beobachten den Geist, der verstört ist – wie fühlt er sich an? Fühlt er sich angespannt an, bedrängt, eingeschränkt, verärgert, wütend, aufgeregt, sorgenvoll, ängstlich? Welche Gedanken kommen zu dieser Zeit? Ärgerliche Gedanken, gewalttätige Gedanken, furchtsame Gedanken, sorgenvolle oder ängstliche Gedanken, negative Gedanken?

 

Wir können diesen Cocktail der Emotionen und Gedanken, die zu diesem Zeitpunkt auftreten, studieren und erforschen. Wir beobachten auch den Körper – wie fühlt er sich an? Gleichermaßen verkrampft, haben wir eine Anspannung im Kopf, der Brust, dem Bauch? Fühlen wir uns heiß, haben wir unseren Atem eingeschnürt, klopft unser Herz? Wenn Achtsamkeit in Hinsicht auf unseren Körper und Geist zum Tragen kommt, hat dies einen beruhigenden und heilsamen Effekt. Sie wirkt wie ein wohltuender Balsam.

 

Darüber hinaus können wir uns weiterhelfen, indem wir achtsame Atemzüge machen und uns selbst daran erinnern, ruhig und cool zu bleiben. "Easy, easy, entspannt, entspannt," sagen wir uns, wie eine Mutter, die ein Kind beruhigt oder ein guter Freund oder Therapeut, der uns Rat gibt.

 

Wir rufen uns unseren Entschluss, ruhig und gelassen zu bleiben, in den Sinn. Wir können auf verschiedene Weise reflektieren, um uns zu helfen, uns zu beruhigen. Zum Beispiel, falls das Problem oder die Störung nicht zu ernsthaft oder schwerwiegen ist, können wir uns sagen: "Das ist doch Kleinkram, mach Dich nicht verrückt. All das ist Kleinkram. Das Leben ist kurz und wir alle müssen eines Tages sterben. Ich möchte meine wertvollen Lebensmomente nicht an Ärger, Aufgewühltsein, Verkrampfung, Sorge, Erregung usw. verlieren. Ich möchte einen unerschütterlichen, unbeirrbaren Geist kultivieren, einen Geist, der stark und stabil ist und nicht so leicht angegriffen von äußeren Umständen."

 

"Ich will mit niemanden streiten oder hadern. Manchmal geht es nicht darum, recht zu haben oder die Oberhand zu gewinnen oder auf dem hohen Ross zu sitzen: Es ist wichtiger, meinen eigenen Seelenfrieden zu bewahren. Ich möchte im Frieden sein mit mir selbst und der Welt. Ich möchte einen friedvollen und gesunden geistigen Zustand bewahren."

 

Das heißt nicht, dass wir nicht den Mund aufmachen und unsere Meinung äußern können. Aber es heißt, dass wir, wenn wir uns dazu entscheiden, dies ruhig und angemessen tun, ohne die erhitzte Emotion von Ärger.

 

Also können wir auf verschiedene Art und Weise reflektieren, um uns zu helfen, unsere geistige Fassung wiederzugewinnen. Wenn wir uns über jemanden ärgern, kann es umsichtig sein, die guten Absichten und Qualitäten dieses Menschen in Erwägung zu ziehen, was uns dabei helfen wird, uns weniger abgeneigt und mehr positiv ihm gegenüber zu fühlen.

 

Wieviele Male am Tag regen wir uns auf? Was sind die Umstände, die uns verdrießen oder aus der Bahn werfen? Dass wir die Geduld mit einem unserer Lieben verlieren? Stress am Arbeitsplatz? Zu viel Arbeit oder ein Chef oder Kollege, der schwierig ist? Ein unangenehmer Zwischenfall mit jemandem, der unverschämt ist, in einem Laden, im Büro, oder auf der Straße? Oder fühlen wir uns einfach überfordert oder sind schlechter Laune? Es gibt so viele Umstände und Möglichkeiten, die Grund dafür sein können, dass wir aus dem Gleichgewicht geraten.

 

Es ist wichtig, es wahrzunehmen, wenn wir unsere Fassung verlieren, und so schnell wie möglich unser geistiges Gleichgewicht wiederzugewinnen. Wenn wir es uns zur Priorität setzen, ruhig zu bleiben, dann merken wir, dass wir häufig gelassen bleiben, sogar inmitten einer stressvollen oder schwierigen Situation. Wir haben die Gewohnheit entwickelt, unerschütterlich zu bleiben. Und selbst wenn wir aus dem Gleichgewicht kommen, gelingt es uns rasch, dies wiederzugewinnen. Es ist wunderbar, wenn wir einmal diese Meisterschaft über den Geist gewinnen.

 

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Mit welchen Geist tun wir etwas?

 

Während wir unserer täglichen Arbeit und unseren Aufgaben nachgehen, ist es gut, wenn wir ab und zu eine Pause machen und uns fragen: "Mit welchem Geist tun wir dies?" Sind wir dabei ruhig, friedvoll und freudig, oder sind wir ungeduldig, gehetzt, hastig, angespannt, aufgeregt, oder geistesabwesend und gedankenverloren? Falls Letzteres zutrifft, können wir unseren Geist zum gegenwärtigen Augenblick zurückbringen und unsere Aufgaben zielgerichtet, ruhig und heiter erledigen.

 

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Achtsamkeit des Körpers

 

Das Plazieren von Achtsamkeit auf den Körper, wenn wir einfache Tätigkeiten auführen, hat eine beruhigende Wirkung auf den Geist. Hier sind ein paar Beispiele:

 

Mache es dir zur Gewohnheit, jedesmal die Absicht wahrzunehmen, wenn Du aufstehen oder dich hinsetzen willst. Dann folge dem weiter, indem du dir des Ablaufs gewahr bist, den Körper zu erheben oder niederzulassen.

Nimm die Körperempfindungen wahr, die mit diesen einfachen Bewegungen einhergehen. Nimm wahr, wie dich dieser einfache Akt der Bewusstheit in den gegenwärtigen Augenblick bringt und einen beruhigenden Einfluss auf den Geist hat. Dein Geist wird sozusagen eins mit dem Körper. Indem du auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf einfache Aktivitäten des Körpers richtest, kannst du viele Momente oder kleine Inseln/Oasen des Friedvollseins im Laufe des Tages schaffen. Wir sollten die Wirkung all dieser kleinen Momente der Achtsamkeit nicht unterschätzen, denn sie alle summieren sich, erzeugen und unterstützen einen Schwung, eine Eigendynamik und Kontinuierlichkeit der Ruhe und Stabilität im Geist.

 

Genauso kannst du achtsam sein, wenn du eine Tür öffnest oder schließt, nehme die Absicht wahr und die Tat, die folgt – das Ausstrecken des Armes, die Hand, die sich um den Türknopf schließt oder auf die Klinke drückt, um die Tür zu öffnen. Du kannst die Empfindung der Hand auf der Klinke fühen (z.B. Kälte, Härte), und die Kraft, die nötig ist, die Tür aufzuziehen oder aufzudrücken.

 

Ich habe auch in vorhergehenden Artikeln vorgeschlagen, dass wir Achtsamkeit auf den Körper mit Metta (Liebende Güte)-Praxis verbinden können. Also, selbst während du die Türklinke herunterdrückst, kannst du wünschen: "Mögen alle Wesen glücklich sein." oder "Möge so-und-so glücklich sein." Man könnte fragen: "Würde das nicht den Fluss des Gewahrseins der Tätigkeit selbst unterbrechen?" Die Antwort darauf ist, dass es in Ordnung ist, da wir zwischen Achtsamkeit auf den Körper und Achtsamkeit auf Metta wechseln können. Ob die Achtsamkeit auf den Körper oder auf Metta plaziert ist, beide sind gut, da sie heilsame Geisteszustände sind und wir können wählen, zwischen ihnen hin- und herzugehen.

 

Es ist auch so, dass wir einen heilsamen Gedanken denken können in Verbindung mit einer Tätigkeit. Zum Beispiel: Wenn wir eine Tür öffnen: "Möge ich allen heilsamen geistigen Zuständen die Tür öffnen," und wenn wir sie schließen: "Möge ich allen unheilsamen geistigen Zuständen die Türe zumachen." Wenn wir ein Licht anschalten: "Möge ich das Licht der Weisheit und Bewusstheit anzünden." und beim Licht ausmachen: "Mögen Täuschung und unheilsame geistige Zustände verschwinden."

 

Inzwischen wirst du erfasst haben, dass es darum geht, den Geist heilsam zu bewahren, und das kann erreicht werden durch das Gewahrsein des Körpers und der Gemütszustände, durch Ausstrahlen von Metta und dem Praktizieren der anderen drei Brahmaviharas (Erhabene, Göttliche Verweilungszustände), indem wir einen heilsamen oder positiven Gedanken denken, uns in weiser Reflektion üben, sogar durch Lächeln oder indem wir dem Geist Auftrieb geben.

 

Weitere Beispiele, wo wir Achtsamkeit anwenden können: das Geschirr spülen, den Boden fegen und verschiedene Haushaltspflichen erledigen, dich anziehen, mit deinem Fuß in den Schuh schlüpfen, eine Tasse Kaffe umrühren, trinken, essen (kauen, schmecken, schlucken), morgens aufwachen, die Zähne putzen, rasieren, das Gesicht waschen, duschen, alle Tätigkeiten auf der Toilette usw.

Mit anderen Worten, sämtliches und alles, sowohl körperlich als auch geistig, kann zum Objekt der Bewusstheit und Achtsamkeit gemacht werden.

 

Während wir den Gleichmut als das Thema dieses Artikels betont haben, sollte es erwähnt werden, dass wir im Allgemeinen zwei Geisteszustände kultivieren – entweder sind wir ruhig, friedvoll, gleichmütig, oder wir sind freudvoll und glücklich. Und so ist unsere Lebensweise ein Abwechseln zwischen Ruhe und Freude.

 

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Im Fluss bleiben

 

Die Dinge sind unbeständig. Sie ändern sich, sind Bedingungen unterworfen. Sie sind in einem Zustand des Fließens, kontinuierlich entstehen und vergehen sie. Es gibt nichts, and dem wir uns festklammern können. Wenn wir das mit Verständnis und Einsicht im Sinn behalten, können wir leichter leben und weiser, indem wir im Fluss bleiben. Wir kultivieren einen Geist der offen und akzeptierend ist, anpassungsfähig und wandlungsfähig, vielseitig, geschmeidig, beweglich, umstellungsfähig und flexibel.

 

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Die Acht Weltlichen Bedingungen und unsere Einstellung ihnen gegenüber

 

Der Buddha sprach über die acht weltlichen Bedingungen (loka-dhammas), denen alle Wesen ausgesetzt sind, und die Wichtigkeit, einen klaren Kopf zu bewahren, wenn wir ihnen begegnen. Diese acht sind: Gewinn und Verlust, Schmerz und Vergnügen, Lob und Tadel, und Ruhm und Verruf.

 

Gewinn und Verlust (oder Erfolg und Misserfolg): Manchmal gewinnen wir, und manchmal verlieren wir. Manchmal haben wir Erfolg, manchmal scheitern wir. Jeder liebt es, zu gewinnen, und keiner genießt es, einen Misserfolg zu erleiden. Aber niemand kann vollkommen frei sein von Scheitern oder immerzu erfolgreich sein. Die Dinge ändern sich den Umständen entsprechend. Daher, wenn wir einen Verlust oder Misserfolg erleiden, sollten wir fähig sein, ihn aufgeschlossen und gleichmütig zu akzeptieren. Wir sollten darüber nachdenken, dass Verlieren oder Gewinnen zweitrangig ist – wirklich wichtig ist, dass wir unseren Teil getan bzw. unser Bestes gegeben haben. Außerdem, was immer wir verlieren, nie verlieren wir unsere Werte, denn das ist etwas, was immer in uns ist. Unter allen Umständen praktizieren wir unsere Werte und wir stärken und vermehren diese Werte kontinuierlich. Daher ist es wichtiger, wie wir unser Leben führen, und das ist unseren zentralen Grundwerten ensprechend, die uns tief am Herzen liegen, nämlich Integrität, Ehrlichkeit, Liebe und Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Verständnis, Vergebung und so weiter.

 

Wenn wir etwas gewinnen oder erfolgreich sind, dann ist das schön. Wir können uns freuen und glücklich darüber sein. Wir können uns selbst beglückwünschen, wenn wir hart dafür gearbeitet haben. Ebenso sind wir den Menschen oder Bedingungen dankbar, die unseren Erfolg möglich gemacht haben. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass Gewinn oder Erfolg unbeständig ist und dem Wechsel unterworfen. Daher wollen wir uns den Gewinn nicht zu Kopf steigen lassen, wir wollen unsere Demut nicht verlieren, arrogant oder stolz werden, oder uns daran festklammern. Wir wissen, dass Gewinn sein Gegengewicht in Verlust hat, mit dem wir von Zeit zu Zeit konfrontiert sind. Daher, wenn wir gewinnen, tun wir dies mit Weisheit und Gelassenheit.

 

Schmerz und Vergnügen (oder Leidhaftes und Angenehmes): Manchmal erfahren wir Vergnügen, manchmal Schmerz. Wenn wir Vergnügen und Glück erfahren, ist das natürlich schön. Wir können es wertschätzen, da keiner leiden möchte und jeder glücklich sein will. Wir müssen uns jedoch in den Sinn rufen, dass auch das Glück dem Wechsel unterworfen ist. Wenn sich die Bedingungen ändern, und wir mit unangenehmen Umständen konfrontiert sind, müssen wir Gleichmut bewahren und über die unbeständige Natur des Lebens reflektieren. Unsere Fähigkeit, das Unangenehme und Schmerzliche zu akzeptieren, wird uns helfen, unseren Schmerz und unser Leiden zu vermindern. Von einem Zustand des Gleichmutes aus können wir beginnen, uns wieder heiter zu fühlen, da wir uns in Weisheit und rechter Einstellung üben dem unangenehmen Objekt oder Umstand gegenüber. Wenn wir die Gewohnheit, ruhig und heiter zu sein, kultiviert haben, ist es einfach, wieder zu dem zurückzukommen, was wir als unsere mentale Grundlinie bezeichnen. Wir wissen, wie wir unsere Segnungen zählen und auf verschiedene Art und Weise reflektieren, um uns wieder besser und glücklich zu fühlen.

 

Lob und Tadel: Jeder liebt es, gelobt zu werden, und keiner will getadelt werden. Es ist in Ordnung, uns glücklich zu fühlen, wenn wir Komplimente erhalten und Wertschätzung für ein Kompliment auszudrücken. Das Lob oder der Glückwunsch können uns ermutigen, weiterhin unsere Sache gut zu machen, gute Arbeit zu leisten, oder was immer wir zu erledigen haben, anderen zu helfen usw. Jedoch wissen wir, dass wir nicht immer gelobt werden können und dass es Zeiten geben wird, wenn wir kritisiert werden oder uns die Schuld gegeben wird. Wenn das geschieht, sollten wir unsere geistige Fassung bewahren und in Ruhe die Kritik erwägen. Ist sie gerechtfertigt? Wenn dem so ist, können wir dankbar sein für die Rückmeldung, da sie uns eine Gelegenheit gibt, uns zu verbessern. Wenn wir der Meinung sind, dass die Kritik unbegründet ist, dann ist das ebenfalls kein Grund für uns, uns aufzuregen. Wir können unser Handeln ruhig erläutern, um Klarheit in die Situation zu bringen. Dies ist die Einstellung eines weisen Menschen, der ruhig und gelassen auf die Kritik eingehen kann. In der Dhammapada, einem Buch das kurze Aussagen des Buddha enthält, gibt es einen Vers: "So wie ein fester Fels nicht vom Wind erschüttert wird, genau so werden die Weisen nicht aus der Ruhe gebracht von Lob oder Tadel."

 

Ruhm und Verruf: Wir mögen nicht nach Ruhm streben, aber sollte er zu uns kommen, so können wir ihn auf weise Art so nutzen, dass er anderen zugute kommt. Wir wollen uns jeglichen Ruhm nicht zu Kopf steigen lassen. Wir würden so weiter leben wie bisher, freundlich, liebenswürdig und demütig. Auf der anderen Seite, wenn wir einen schlechten Ruf bekommen durch Vergehen unsererseits, dann müssen wir das akzeptieren und anstreben, ein besserer Mensch zu werden. Und wir würden uns auch nicht stören lassen durch einen Mangel an Ruhm und Ehre, wenn unsere Absicht einfach die ist, ein gutes Leben zu leben, das durchdrungen von Werten ist.

 

Der Ansatz des Buddha diesen weltlichen Bedingungen gegenüber ist, sie weder gutzuheißen noch zu missbilligen, sondern zu sehen, dass sie unbeständig, unbefriedigend und der Veränderung unterworfen sind. Indem man ihre Begrenztheit und ihre Gefahr sieht, wird der Praktizierende ihnen gegenüber leidenschaftslos und erstrebt den reinen und kummerfreien Zustand des Nibbana, das Ende allen Leidens.

 

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Frieden mit sich selbst, mit anderen und der Welt

 

Wollen wir Gleichmut entwickeln, dann sollte unser Fokus auf Friedvollsein liegen, genauer gesagt, auf Frieden mit uns selbst, mit anderen und mit der Welt.

 

Es ist wichtig, mit uns selbst im Frieden zu sein. Um das zu erreichen, sollten wir uns so akzeptieren, wie wir sind, mit allen Fehlern und Schwächen. Wir mögen nicht vollkommen sein, aber wir sind recht gut: Es gibt ausgezeichnete Qualitäten in uns. Wir sollten diese guten Eigenschaften anerkennen und sie beständig stärken, während wir unsere Schwächen und Unvollkommenheiten abtragen. Wir sind ein Werk im Entstehen, und es braucht Zeit, all das zu sein, was wir sein möchten. Wir können nur unser Bestes tun in dieser Lebenszeit und in der nächsten fortfahren.

 

Wir sollten uns selbst ein freundlicher, sanfter und guter Freund sein, gerade so, wie wir anderen ein guter Freund sind. Es bringt nichts, uns selbst fertigzumachen – das Leben ist ohnehin hart und wir bemühen uns nach besten Kräften.

 

Gleichermaßen ist es wichtig, im Frieden mit anderen zu sein. Viel Leiden kommt daher, dass wir andere ändern möchten. Daher ist eine Grundregel, uns bewusst zu sein, dass wir andere nicht ändern können: Es liegt an ihnen, sich selbst zu ändern. Wir können Hinweise geben, Vorschläge, Rat, selbst ein vertrauliches Gespräch, aber letztendlich liegt es an der anderen Person, Verantwortung für sein oder ihr Leben zu tragen. Jeder muss seine eigenen Fehler und Schwächen sehen und sich bemühen, sich zu ändern. Keiner kann dies für einen anderen machen – jeder Mensch muss das für sich selbst tun.

 

Daher ist es gut, wenn wir uns in unserer Beziehung und dem Umgang mit anderen daran erinnern: "Versuche nicht, den anderen zu ändern. Arbeite an dir selbst und bewahre deinen Frieden."

 

Auf dieser Welt können wir einander nicht immer und jederzeit zu Gefallen sein. Manchmal müssen wir tun, was getan werden muss, und unseren Frieden damit machen.

 

Und wir wollen mit der Welt im Allgemeinen im Frieden sein. Diese Welt ist bei weitem nicht vollkommen. Überall sehen wir viel Leiden. Es gibt so viel Ungerechtigkeit, Korruption und Ausbeutung. Es gibt Terrorismus, Krieg, Gewalt und Verbrechen. Ein großes Maß an Leiden wird von menschlicher Gier, von Hass und Verblendung verursacht. Aber doch gibt es viele gutherzige Menschen und wir können Güte und Freundlichkeit überall sehen und erfahren. Alles, was wir tun können, ist, zu tun, was immer wir können, um zu einer besseren Welt beizutragen. Wir versuchen, niemanden zu verletzten und so viel Glück und Herzlichkeit wie möglich zu verbreiten.

 

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Alle Wesen sind Eigner ihres Kamma

 

Im "Pfad zur Reinheit" (Visuddhimagga), der großen buddhistischen Abhandlung über die Meditation, wird angeleitet, dass Praktizierende über den Satz: "Alle Wesen sind Eigner ihres Kamma" reflektieren, wenn sie die Meditation des Gleichmuts üben.

 

Das bedeutet, dass wir für unsere Taten verantwortlich sind. Unser Glück hängt von unseren Taten ab. Manchmal sind wir einfach nicht in der Lage, anderen zu Gefallen zu sein oder sie glücklich zu machen, so sehr wir das auch möchten. Das ist deshalb, weil auch sie Verantwortung für ihre Taten übernehmen müssen. Ihr Glück hängt von ihren Taten und Einstellungen ab und nicht lediglich von unseren Wünschen für sie.

 

Natürlich können wir Unterstützung und Rat geben, aber auch sie müssen die notwendigen Maßnahmen ergreifen und die angemessenen Einstellungen übernehmen, um ihr Glück zu gewinnen. Wir müssen eine Haltung des Gleichmutes bewahren, wenn wir feststellen, dass wir nicht mehr tun können für einen anderen, und dass ihr Unglücklichsein ein Resultat ihrer eigenen Handlungen und Einstellungen ist.

 

Wir können jedoch auf jeden Fall Mitgefühl für sie haben, ihr Wohlergehen und Glück wünschen, und dass sie nach Notwendigkeit handeln und Verantwortung für ihr Glücklichsein übernehmen.

 

Überall in der Welt sehen wir, wie Menschen unter den Folgen ihres Handelns leiden, unter Schicksalsschlägen und Katastrophen. Gleichmut ist nicht Gleichgültigkeit. Wir haben sehr wohl Mitgefühl für jene, die leiden, und wir wünschen, dass sie frei sein mögen von Leiden. Wir können Hilfeleistung anbieten, wo immer möglich oder angebracht. Doch kommt hier der Gleichmut ins Spiel, so dass wir nicht in einen Zustand der Trauer, des Kummers fallen. Der Geist ist ausgeglichen durch Weisheit, die erkennt, dass wir nicht in Kontrolle der Situation sind, und dass Geschehnisse den Bedingungen entsprechend passieren, die jenseits unserer Kontrolle liegen.

 

Fur unseren Teil übernehmen wir ebenfalls die Verantwortung für unsere Handlungen und akzeptieren ihre Folgen, seien sie angenehm oder unangenehm. Es ist uns klar, dass Glücklichsein mehr ein "Inside Job" ist, eine innere Arbeit. Glück hängt von unseren Taten und Einstellungen ab und wie wir auf andere Menschen und äußere Umstände eingehen. Wir richten unseren Fokus mehr auf unsere Werte und unsere Erwiderung auf unserer Suche nach Glück.

 

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Leichtfüßig über die Unebenheiten gehen

 

In der Samyutta Nikaya (Die Gruppierten Lehrreden des Buddha) gibt es eine Unterhaltung zwischen einer Deva und dem Buddha, worin die Deva über die Schwierigkeit sprach, den Edlen Achtfachen Pfad zu beschreiten. Die Deva bemerkte, dass es schwierig sei, auf einem unebenen Pfad zu gehen. Der Buddha antwortete, dass der sprituelle Praktizierende, obwohl es schwierig ist, gleichmäßig über die Unebenheiten schreitet (visame same gacchati), während andere der Länge nach hinfallen könnten.

 

Während wir den unsicheren Pfad des Lebens beschreiten, ist es unerlässlich, dass wir die Kunst des leichtfüßigen Gehens über die Unebenheiten erlernen und meistern. Der Weg kann steil und steinig sein, aber wir sehen, wie wir einen Schritt nach dem anderen machen, ohne unser Gleichgewicht zu verlieren. Gleichmut ist notwendig, um unsere geistige Ruhe und Gelassenheit angesichts aller Schwierigkeiten und Herausforderungen zu bewahren. Wir müssen vorbereitet und entschlossen sein, mit allem fertigzuwerden und unseren Werten entsprechend zu leben, ganz egal, was geschieht. Unsere Werte sind unser Leitstern im Leben, die uns stets leuchten und uns in die rechte Richtung lenken.

 

Gleichmut im dritten und vierten Jhana und als Erleuchtungsglied

 

Gleichmut als ein erhabener Zustand ist am meisten hervorragend im vierten Jhana und als Erleuchtungfaktor, der zu Nibbana führt.

 

Ein Jhana ist ein tiefer Zustand meditativer Versenkung. Während Gleichmut in all den vier Jhanas präsant ist, ist es im dritten Jhana, dass seine Anwesenheit erstmals auffällig wird, während die Verzückung des zweiten Jhana abklingt. Die traditionelle Formel des dritten Jhana lautet folgendermaßen:

 

„Wiederum tritt der Meditierende mit dem Verblassen der Verzückung, in Gleichmut verweilend, achtsam und wissensklar, voll körperlich erlebter Glückseligkeit, in die dritte Vertiefung ein, von der die Edlen sagen: ,Glückselig lebt derjenige, der voll Gleichmut und Achtsamkeit ist', und verweilt darin.

 

Im vierten Jhana verblasst selbst das Glück des dritten Jhana und weicht einem noch verfeinerten und reinen Zustand des Gleichmutes. Es wird gesagt, dass Achtsamkeit aufgrund des starken Gleichmuts ganz besonders rein und klar ist in diesem Jhana.

 

Es werden auch sieben Erleuchtungsglieder im Text erwähnt, von denen Gleichmut das letzte in der Reihe ist. Die sechs Faktoren davor sind Achtsamkeit, Erforschen/Ergründen, Bemühung, Freude/Entzücken, Ruhe und Sammlung/Konzentration. Diese sieben werden Erleuchtungsglieder genannt, da sie zu Erleuchtung führen.

 

Was die Befreiung der Existenz in Samsara angeht, sagte der Buddha "der Praktizierende entwickelt das Erleuchtungsglied des Gleichmuts, gegründet auf Abgeschiedenheit, Leidenschaftslosigkeit und Aufhebung, was in der Befreiung reift." Dasselbe gilt für die anderen sechs Erleuchtungsglieder. Wenn diese sieben Erleuchtungsfaktoren zur Reife kommen, ist der Geist befreit von den Makeln der Sinneslust, der Existenz und der Verblendung.

 

Wenn er befreit ist, sagt der Buddha, weiß der Praktizierende:

"Zerstört ist Geburt, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden musste, es gibt keine Rückkehr zu jeglicher Daseinsform." Hier bezieht sich der Buddha auf das endgültige Erreichen der Arahatschaft, die das Ende der samsarischen Existenz bedeutet. Der Arahat lebt sein letztes Leben im sicheren Wissen, dass er keine weitere Geburt unterlaufen wird, nachdem sein Körper mit dem Tod zerfällt.

 

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Wir haben eine breiten Bereich des Gleichmuts untersucht, von der Achtsamkeit im Alltag über das Bewahren von Gelassenheit mitten in der Wechselhaftigkeit des Lebens bis hin zu der tiefen Ruhe und Stille der meditativen Sammlung und seiner Reifung als Erleuchtungsglied im Erreichen von Nibbana.

 

Ohne Zweifel ist Gleichmut eine unerlässliche geistige Qualität, und wir tun gut daran, sie zu kultivieren. Mit Gleichmut gehen wir leichter durch das Leben, unbeeindruckt und unerschütterlich angesichts aller Höhen und Tiefen. Darüberhinaus kann uns Gleichmut, als Erleuchtungsglied, zum Gipfel der spirituellen Erfahrung führen – dem Erreichen von Nibbana und der Befreiung von samsarischer Existenz.

 

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Die Meditation des Gleichmuts

 

Du kannst bequem auf dem Boden oder einem Stuhl sitzen. Was die Sitzhaltung angeht, beziehe dich bitte auf die Anleitungen zur Vipassana-Meditation hier.

 

Beginne damit, sanft für dich zu wiederholen:

 

"Upekkha, upekkha, Gleichmut, Gleichmut."

 

"Möge ich ruhig sein."

"Möge ich friedvoll sein."

"Möge ich gleichmütig sein."

 

"Möge ich zu angebrachten Zeiten gleichmütig sein." Hier verstehst du die angebrachten Zeiten als jene Anlässe, wo du dazu neigst, durcheinander, verstört, aufgeregt und verärgert zu sein.

 

"Möge ich offen, akzeptierend, ausgeglichen und friedvoll sein."

"Offen und akzeptierend" bedeutet all den Wechselhaftigkeiten, Unsicherheiten, Höhen und Tiefen im Leben gegenüber offen und akzeptierend zu sein und einen regen, beweglichen, anpassungsfähigen und vielseitigen Geist zu kultivieren, der weise und vernünftig auf jede Situation eingehen kann.

 

"Möge ich das Entstehen und Vergehen der Dinge mit Gleichmut betrachten." Wiederum heißt dies, dass du die unbeständige Natur der Existenz akzeptierst, dass die Dinge aufsteigen und zerfallen/entstehen und vergehen ihren Bedingungen entsprechend und dass du damit im Frieden sein willst, mit der Wirklichkeit, mit den Dingen, so wie sie sind.

 

"Möge ich den acht weltlichen Bedingungen gegenüber gleichmütig sein." Diese acht weltlichen Bedingungen und unsere Haltung ihnen gegenüber ist bereits oben erklärt worden.

 

"Möge ich im Frieden sein mit mir selbst, mit anderen und mit der Welt." Die Überlegungen und die Nützlichkeit, diese Haltung dem Leben gegenüber einzunehmen ist also oben erläutert worden.

 

"Möge ich gleichmäßig über die Unebenheiten gehen." Der Weg mag uneben sein – steil, steinig, gewunden, aufsteigend und abfallend und angenehme und schwierige Strecken durchlaufend. Wir wollen stabil und standhaft durch all dies gehen, ohne unser Gleichgewicht zu verlieren.

 

"Alle Wesen sind Eigner/Eigentümer ihres Kamma." Wir übernehmen Verantwortung für unsere Taten und unser Glück und verstehen, dass andere dafür gleichermaßen Verantwortung übernehmen müssen.

 

Indem wir diese Sätze immer wieder wiederholen, konditionieren wir unseren Geist in Richtung Gleichmut. Wir werden uns daran erinnern, Gleichmut und Frieden zu bewahren, während wir unseren Alltag gestalten.

 

Diese Sätze immer wieder wie ein Mantra zu wiederholen, hilft ebenfalls, den Geist zu beruhigen und still zu machen, da wir negative und irrelevante Gedanken ausschließen.

 

Mit der Zeit lassen wir uns vielleicht auf ein paar einfachen Worten nieder, wenn wir einfach in Ruhe verweilen möchten. Worte wie "Upekkha, Upekkha", "Gleichmut, Gleichmut". "Ruhig, gelassen, friedvoll, easy, entspannt."

 

Wir können uns auch in Vipassana-Modus niederlassen, uns unseres Atems, unserer Körperwahrnehmungen und der Ruhe in unserem Geist bewusst sein. Von Zeit zu Zeit können wir diese Worte wiederholen: "Ruhig, friedvoll, gleichmütig…"

 

Der Geist wird friedvoll und gleichmütig einfach dadurch, dass wir bei den Vipassana-Objekten bleiben und gelegentlich die oben erwähnten Worte weich und sanft wiederholen. Wenn der Gleichmut stark wird, können wir auch die Worte fallenlassen und einfach beim Fluss der Erscheinungen bleiben.

 

 

"Durch dauerhaftes Bemühen, Achtsamkeit, Selbstbeherrschung und Bändigung des Selbst

lass den Weisen für sich eine Insel schaffen

die keine Flut überwinden kann." - Buddha, Dhammapada 25

 

"Der schwankende, wankende Geist,

So schwer zu bewachen, schwer zu zügeln,

Ein Weiser macht ihn gerade,

Wie ein Bogenmacher seinen Pfeil begradigt." - Buddha, Dhammapada 33

 

Der Geist ist äusserst subtil und schwer zu sehen.

Er setzt sich nieder, wo es ihm beliebt.

Er ist schnell, und schwer zu zügeln.

Lass' den Weisen seinen Geist bewachen.

Ein gezähmter Geist bringt Glück." - Buddha, Dhammapada 35, 36

 

"So wie ein fester Fels nicht vom Wind erschüttert wird, genau so werden die Weisen nicht aus der Ruhe gebracht von Lob oder Tadel." – Buddha, Dhammapada 81